Der Wille zur Macht

Juli 9, 2008 at 2:51 pm (Wille zur Macht) (, , , , )

Der “Wille zur Macht” ist das Streben des Selbst sich über sich hinaus zu kontinuieren.

Somit setzt der Macht Begriff ein Selbst vorraus aus dem es hervor geht. Dieses Selbst muss über einen Willen verfügen um zu Streben. Somit ist der Wille eine Grundvorraussetzung zur Macht.

Streben ansich ist zukunftsgerichtet, somit ist Macht auch immer zukunftsgerichtet. Ein über sich hinaus streben bedeutet das es ein außen des Selbst gibt, welches dem Selbst fremd ist, nicht teil von ihm.

Die Kontinuierung des Selbst bedeutet die Kontinuierung des Selbst im Fremden durch und getreiben durch den Willen. Da es, bedingt durch die Begrifflichkeiten, eine Abgrenzung des Außen vom Selbst gibt , muss das Selbst Widerstände überwinden um seinen Willen im Fremden zu kontinuieren. Um diese Widerstände zu überwinden bedarf es des Vermögens dazu. Somit ist die Verfügung über das Vermögen Widerstände zu überwinden eine Vorraussetzung der Macht.

Dieses Fremde außen kann ein anderes Selbst sein, eine Gegebenheit im subjektiven oder im objektiven Universum.  Aus Sicht des eigenen Selbst ergeben sich hierbei ggf. Unterschiede welche es zu berücksichtigen gilt.  Ein fremdes Selbst kann selber versuchen die Widerstände des eigenen Selbst zu überwinden um Macht zu erlangen, stellt somit also einen aktiven Widerstand dar. Eine Gegebenheit im subjektiven Universum kann bereits durch eine fremde Macht gesetzt worden sein, was starken Widerstand vom eigenen Willen verlangt um dieses Fremde selbst zurück zu drängen. Gegebenheiten im objektiven Universum leisten hingegen nur passiven Widerstand und müssen nur begriffen werden. Eine praktische Anwendung dieser Einordnung muss sehr vorsichtig vorgenommen werde da die Grenzen nur fließend sind und wenn überhaupt vorhanden dann nur durch Interpretation des Selbst.

Die Kommunikaton des eigenen Willen zum Fremden ist notwendig um das Selbst zu erweitern und um Macht zu erlangen. Diese Kommunikation des Willens gegenüber dem objektiven Universum kann durch Handeln geschehen. Im eigenen subjektiven Universum oder in fremden subjektiven Universen benötigt es zur Kommunkation anderer Mittel. Um seinen eigenen Willen durchzusetzen kann z.B. ein Mittel der Repression eingesetzt werden, was aber den fremden Willen und den fremden Widerstand nur unterdrückt aber nicht auf die eingen Interessen ausrichtet. Somit hat das eigene Selbst lediglich das Verfügen über die Handlungen des anderen Selbst aber nicht das Verfügen über den Willen des anderen Selbst.  Bei aussetzen der Repression würde somit auch das Verfügen über die Handlungen des anderen Selbst ausbleiben.  Effizienter ist es dem anderen Selbst einen Sinn zu geben der dem Willen des eigenen Selbst entspricht. Durch die Annahme eines solchen Sinns wird der Wille des anderen Selbst auf den Willen des eigenen Selbst ausgerichtet und verbleibt so ohne weitere Mittel, solange der Sinn gegeben ist. Somit hat sich das eigene Selbst im fremden kontinuiert.

Zusammengefasst, ein Selbst bedingt einen eigenen Willen bzw. die Möglichkeit zu einem eigenen Willen bzw. die Möglichkeit einen Willen zu haben. Der Wille benötigt immer Macht um sich zu kontinuieren. Macht benötigt immer einen Willen um zu wirken.

Hieraus ergibt sich das der “Wille zur Macht” untrennbar mit dem Selbst verbunden ist.

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4 Kommentare

  1. sebastian said,

    Ich mochte diesen Teil bei Nietzsche nicht. Es zeichnet ein allzu negatives Bild von der „Welt“, als dass ich mich damit anfreunden könnte, ausserdem ist es ein zurückfallen in „metaphysische Letztbegründungen“, die zeigen sollte, wie die Wirklichkeit wirklich ist. Diesen späten Nietzsche konnte Heidegger auch ohne allzugroße Probleme als den „Letzten Metaphysiker“ deuten, den er dann dekonstruierte.
    Für mich hat dieser späte Nietzsche (wohl auch unter der wirkung des Wahnsinns) sein eigenes interessantes und weitrechendes Frühprojekt zunichte gemacht.

  2. sethnacht said,

    Hallo Sebastian,
    danke für deinen Kommentar.
    Ich habe einige Fragen zu deinem Kommentar:
    – Was siehst du als negativ, die Ideen Nietzsches zum „Willen zur Macht“ oder meine Ausführungen/Interpretationen dazu?

    – Warum zeichnet dies ein negatives Bild der „Welt“ für dich?
    Ich meine, der Begriff „negativ“ ist eine Wertung bezogen auf einen (von dir) gewünschten Zustand. Sehe ich das richtig das du die „Welt“ nicht so sehen möchstest, also dein Selbst sich dieser Interpretation verschließt?

    Ich kenne diese Gefühl mich nicht mit bestimmten These „anfreunden“ zu können. Einige weil sie mir nicht schlüssig oder zu konstruiert erscheinen, andere wiederrum weil sie mein aktuelles Weltbild zu stark angreifen würde , ich aber (noch) kein Argumente gegen sie haben. Die letzteren erzeugen ein unangenehmes Gefühl in mir und ich merke das sie ein Widerstand in mir aufbaut. Dann wird es besonders interessant für mich weil ich merke das diese Thesen ein enormes potenzial haben meinen Zugang zur Welt zu erweitern , es kann natürlich auch sein das sie einfach verpuffen weil ich sie durch Argumente aufgelöst habe.
    Gerade Nietzsche wurde und wird viel interpretiert. Einigen Interpretationen stimme ich zu, habe aber in Teilaspekte immer noch eine andere Meinung.
    Besonders schwer tue ich mich derzeit mi dert „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ welches mir einige Kopfzerbrechen bereitet.

    Gerade im „Willen zur Macht“ sehe ich eine sehr praktische Lebensphilosophie, leider kenne ich nicht die Ausführungen von Heidegger zu dem Thema.
    Wo siehst du im Willen zur Macht die „metaphysische Letztbegründungen“?
    Welche Quellen kannst du mir zu diesem Thema empfehlen?

  3. sebastian said,

    gerne doch ; )

    also mir gefällt die Idee von Nietzsche her nicht besonders.Für mich hatte die ganze Vorstellung immer etwas…unfreundliches (ich weiß nicht wie ichs besser sagen kann). Denn Nietzsche wurde ja auch wegen seinem „Egoismus der Übermenschen“ kritisiert, ungefähr in die Richtung geht mein Unbehagen. Ich würde einfach nicht in einer Welt leben wollen, in der jeder in der art nach Macht strebt, wie Nietzsche es beschreibt.

    Mit der Metaphysischen Letztbegründung meinte ich, dass Nietzsche (vor allem der frühe) immer versucht hat, die Wahrheit als ein Heer von Metaphern zu sehen und dass alles Wissen und Wahrheit Erfindungen des menschen sind, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind. Der späte Nietzsche hatte aber dieses (schon fast religiös-salbungsvolle) Gehabe des einzig wahren Wissens wieder aufgenommen (er unterschrieb Briefe kurz vor dem endgültigen Wahnsinn ja auch mit den Namen von Göttern).

    Dies wird in einem Buch kurz erwähnt, dass ansonsten ganz andere Themen hat (Richard Rorty – Philosophie als kulturpolitik) aber ich denke, dass man dazu zb in Heideggers Holzwegen den Essay „Nietzsches Wort Gott ist Tod“ lesen kann. Ich weiß aber nicht, ob er Nietzsche dort so explitzit den letzten Metaphysiker nennt, denn die Holzwege sind eine eher spätere Textsammlung Heideggers, wo er sich von seinem ehrgeizigen Frühprojekt schon distanziert hat (was im wesentliche darin bestand alle vor ihm „falsche Metaphysiker“ zu nennen ; ) )

  4. Neiths Liebling said,

    Du schreibst:
    „Somit ist die Verfügung über das Vermögen Widerstände zu überwinden eine Vorraussetzung der Macht.“

    Definition der Macht nach Max Weber: „Jede Chance, den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.“

    Wenn ich das Vermögen habe, Widerstände zu überwinden, habe ich bereits Macht,
    SONST STÜNDE ES NICHT IN MEINER M A C H T, WIDERSTÄNDE ZU ÜBERWINDEN!

    Ansonsten noch alles „Gute“ bei der Ermordung deines Osiris!

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